Kings At Heart
                          – Emo/Pop-Punk/Post-Hardcore –
                   Melodic-Hardcore / Metalcore and more…

                                     For Those Who Have Heart – Party

        27.05. – Blue Shell – Köln

About: it starts with stars… [Pt.1] – Was ist Emo?  [short Version]

 

Conor Oberst (Bright Eyes) singt in „Method Acting“ (Lifted or The Story is in the Soil Keep Your Ear to the Ground; 2002)

There is no beginning to the story,
A bookshelf sinks into the sand,
And a language learned and forgot,
In turn, is studied once again.

It’s a shocking bit of footage (Aufnahmen)
Viewed from a shitty TV screen.
You can squint (schielen) at it through snowy static
To make out the meaning

Aldair MacIntyre erläutert diesen Song-Abschnitt -indirekt- in seinem Werk „Der Verlust der Tugend – Zur moralischen Krise der Gegenwart“ mit einem Gedankenexperiment.

In seinem Experiment spricht er von der Naturwissenschaft als Opfer einer Katastrophe, die dazu geführt hat, das jegliches Wissen (Bücher, Geräte) vernichtet, Wissenschaftler gelyncht und jeglicher wissenschaftlicher Unterricht an Schulen und Universitäten in Folge abgeschafft wurde. Erst als es zu spät ist, setzt eine Gegenbewegung weniger aufgeklärter Menschen ein, die versuchen die Wissenschaft wiederzubeleben,

wenngleich sie weitestgehend vergessen haben, was das einmal war. Sie besitzen nur noch einige Bruchstücke: ein Wissen um Experimente ohne Kenntnisse des theoretischen Zusammenhangs, der diesen Experimenten die Bedeutung verlieh, Teile von Theorien, […]; Geräte, deren Verwendungszweck man vergessen hat; halbe Kapitel aus Büchern, einzelne Seiten von Artikeln, die nicht immer ganz lesbar sind, weil sie zerissen oder angekohlt sind. Trotzdem werden alle diese Bruchstücke in einen Rahmen von Betätigungen eingeordnet, die wieder die alten Bezeichnungen Physik, Chemie und Biologie enthalten. […] Niemand, oder fast niemand, erkennt, dass das, was hier gemacht wird, überhaupt nichts mit Naturwissenschaften in irgendeinem vernünftigen Sinn zu tun hat.

Die Hypothese die ich in Analogie zu seiner anschließend geäußerten Hypothese aufstelle, ist die, dass der Über-Begriff, die (Selbst?!-)Sprache, die Bedeutung von „Emo“ und „Emo“ selbst genauso verwahrlost, nahezu verloren ist, wie die Sprache der Naturwissenschaft in dieser imaginären Welt.

– Auch ohne, oder gerade weil wir nicht wirklich wissen, was Emo eigentlich ist, lässt sich diese Behauptung mit zahlreichen (traurigen) Beispielen belegen..

1) Die meisten Bands aus der Hochphase zwischen 2000-2010 existieren nicht mehr, oder ihre Mitglieder sind mittlerweile in einem entsprechenden Alter, inklusive einer Ehe mit Kindern, in dem sind wenig bis keinen Bezug mehr zu ihrer Musik von früher und dieser Form von Musik überhaupt noch haben. Darüber hinaus produzieren sie auch nicht innerhalb des weiten Feldes (ohne bspw. Geschrei, sofern dieses vorhanden war) des „Emo“ nichts was Beachtung verdient. Denn, auch wenn sie dennoch als Band aktiv sind, machen sie Musik aus andere Gründen – was man leider merkt. Abgesehen von dem fehlenden Hype von damals gehen Alben von bspw. Emery und Hawthorne Heights (zurecht) entsprechend unter. Mayday Parade erzählten bspw. im Podcast mit Shane Told, dass alle Mitglieder der Band inzwischen in verschiedenen Städten leben und Familie haben – es ist offensichtlich, dass dies Auswirkungen auf ihre Musik haben muss.

2) Die ~Emo Kids von damals sind alle inzwischen 30+ und haben selbst oftmals Familie und Kinder. Bezeichnend, dass diese sich an ihre Nostalgie klammern und Strampler von Hawthorn Heights für ihre kleinen Kinder kaufen.. und Mats Cutshall im Social Media einen enormen Erfolg feiert, in dem er diese „Emo’s Not Dead“-Nostalgie mit Feat.-Videos der Hits (inkl. Künstler) bedient. Darüber hinaus bleibt einem Erwachsenen neben dem Beruf/Job nicht mehr die Zeit so intensiv (viel) Musik zu hören wie früher. Und auch die Auseinandersetzung mit sich und der Welt verliert mit Laufe des Alters an Bedeutung. Ob gewollt oder ungewollt.

The sick and tired refrain of everyday is branding itself into you
Discouragement defined by all the times when everything just falls apart
And your skeletons have broken down the door and left you there for done

How do we find a little piece of heaven
In our time before we find acceptance

Boysetsfire – Handful Of Redemption

3) Bereits in der Hochphase war die Phase in DE ohnehin überschaubar. Viele Bands kamen gar nicht nach DE, wenn dann eigentlich viel zu spät und einige kamen nach ihrer Erfahrung (Senses Fail – Konzerte teilweise gecancelt, wegen zu wenig Ticket-Verkäufen bzw. Konzert vor 50 Leuten) nicht mehr wieder. Aus guten Gründen: Die, die sich tief in der Szene bewegten und auch diese Bands abseits des Hypes kannten und kennen, sind nochmals weniger als die Größe der Szene selbst. Vereinzelte Ausnahmen gab es in den letzten Jahren dennoch, wie bspw. Movements, deren Konzerte sehr gut besucht waren. Es gibt und gab die (auch wenn sie sich nicht selbst so labeln würden) Emo’s noch. Wenn auch weniger bis kaum mehr.

4) Die Resonanz von Emo-Partys, wenn es sie überhaupt noch gibt, sind nicht sonderlich hoch. Und wenn man bspw. mal drauf achtet wer mehr als (oder überhaupt) den Refrain von aboluten Klassiker wie „Cute Without The E‘ von Taking Back Sunday oder sogar „I’m Not Okay“ von My Chemical Romance mitsingen kann, weiß Bescheid. Von Songs darüber hinaus braucht man entsprechend gar nicht reden…

5) Wer auf das Merchandise auf entsprechenden Emo- Pop-Punk oder auch bspw. Morecore-Partys achtet, wird dort auch wenig bis fast überhaupt nichts entdecken, was einem das weite „Emo“-Herz höher schlagen lässt.

6) Wenn man darauf achtet, welche Songs am besten ankommen (neben den Klassikern von Linkin Park und Limp Bizkit) erkennt, dass quasi das Gegenteil von dem was „Emo“ ausmacht/bedeutet gewünscht ist: Hypa Hypa (Scooter)-Ballermann-Trashcore („Hypa, hypa, you’re pretty and I like ya / Wanna rip off your clothes now, baby“) oder Hollywood Undead – Everywhere I Go („Break-up with my girlfriend so I can bang sluts / „When I start drinking – My dick does all my thinking“).

7) Wenn man nach Songmeaning-Aussagen auf entsprechenden Webseiten sucht, wird man feststellen, dass die Auseinandersetzung mit den Song-Lyrics größtenteils 2010, wenn nicht bereits viel früher (und damit ist dann auch die USA eingeschlossen) aufgehört hat. Man könnte jetzt sagen: Na und? – Jede Zeit hat ihre Musik. Lass sie ruhen. – Emo (ohne den Begriff soweit überhaupt definiert zu haben) ist viel mehr. Viel viel mehr.

Eine erste Annäherung:

Setzen wir mal die Auseinandersetzung von -Emo- (Musik) als Gegenstand mit dem „Method Acting“ gleich, bzw. machen ihn zum Gegenstand der Methode:

Laut Lee Strasberg ist das „Method Acting“ eine Form des Schauspielens – als Fähigkeit auf imaginäre Stimuli
(in diesem Fall von Emo wäre das die äußere Form der Melodie und die damit transportierte Stimmung mit der inneren Form, dem Inhalt, den Lyrics) zu reagieren:
Der Schauspieler solle sich vier Fragen über seine Figur und ihre gegenwärtige Situation stellen.

– Wer sie ist.
– Wo sie ist.
– Was sie dort tut (Handlung und Absicht).
– Was geschehen ist, bevor sie dorthin kam (gegebene Umstände).

Quelle:Wiki/Method Acting

Die bzw. seine Figur – im Song, das ist das Lyrische Ich!

Strasberg entwickelte das Method Acting, das die Natürlichkeit und Intensität der schauspielerischen Darstellung steigern sollte, indem der Schauspieler mit Hilfe eines von ihm entwickelten Instrumentariums die Rolle in sich selbst findet und mit ihr verschmilzt. […] [um] ein Höchstmaß an Identifikation des Schauspielers mit der darzustellenden Rollenfigur zu erreichen. Quelle: Wiki/Method Acting

Die wirkliche Auseinandersetzung mit Emo-Musik ist diese Methode des Method Acting – einen Dialog mit dem Song eingehen – eine Sprache (und Zugang) der Auseinandersetzung mit uns selbst und unserer Umwelt, die wir verlernt haben. Eine Sprache zum Ausdrücken dessen wie wir uns sehen, zum Erkennen und Verstehen wer wir sind, wer wir sein wollen, wer wir sein können und wer wir nicht sein wollen und können – zum Verstehen und Werden unseres Selbst. Damit sind wir (unabsichtlich) tief in der existentialistischen Philosophie.

Auf bzw. durch eine kontemplative Art..

dabei handelt es sich um die Betrachtung eines geistigen, ungegenständlichen Objekts, in das man sich vertieft, um darüber Erkenntnis zu gewinnen. Im religiösen Kontext ist das Objekt oft eine Gottheit oder deren Wirken. Kontemplation präsentiert sich als intuitive Alternative oder weiterführende Ergänzung zum diskursiven Bemühen um Erkenntnis.) Quelle: Wiki/Komtemplation

Um zu einem innerlichen Erleben der gespielten Situationen zu kommen, sind Erinnerungen an eigene Erlebnisse zentral, die der gespielten Situation nahekommen. Die Emotionen dürfen nicht flüchtig bleiben, sondern müssen beherrscht und wiederholbar gemacht werden. Dies geschieht im Wechselspiel zwischen bewusster Vorbereitung und unbewusster Spontanität.“ Quelle:Wiki/Method Acting

– Sprich der Song wird zu unserem Song:

Wir sind das lyrische Ich und übertragen uns und unsere Erlebnisse, Empfinden, Wünsche, Hoffnungen, Phantasie und Realität in ihn.
Wir machen ihn zu unserem Song.

In dem Song „Method Acting“ singt Conor Oberst weiter:

And keep on stretching the antennae,
Hoping that it will come clear,
We need some reception, a higher message,
Just tell us what to fear.

In der Auseinandersetzung, hoffen (oder eher tun oder erlangen) wir (bewusst oder unbewusst) ein – uns selbst besser zu verstehen (zu können)-, eine Bedeutung unsere Handelns, unseres Seins zu erkennen, zu finden – unserere Ängste zu erkennen, sie verstehen, sich ihnen stellen zu wollen, sich ihnen stellen zu können („Strength comes from admitting weaknesses inside us, Staring our fears in the eye – Polaris – L’Appel Du Vide)

Cause I don’t know what tomorrow brings,
It’s alive with such possibilities,
All I know is I feel better when I sing,
Burdens are lifted from me, that’s my voice rising.

Darüber bietet Musik natürlich noch viel mehr: Ganz wesentlich (!), das sich verstanden, sich weniger allein fühlen und im besten Fall auch als Outlet
(All I know is I feel better when I sing) – weswegen die Existenz von Konzerten und Partys(!) ebenfalls von großer Bedeutung ist.

So […], please keep the tape rolling,
Boys keep strumming those guitars.
We need a record of our failures,
We must document our love.

 

I’ve sat too long in my silence,
I’ve grown too old in my pain.
To shed this skin, be born again,
It starts with an ending.

[…]

It’s not a movie, no private screening,
This method acting, well, I call that living.
It’s like a fountain, a door has opened,
We have a problem with no solution but to love and to be loved.

Diese Form der Auseinandersetzung mit Musik („well, I call that living“) beschränkt sich natürlich nicht nur auf Emo, aber gerade sie ist durch die Emotionalität [oder auch Authenzität und Ehrlichkeit, inhaltlich und in ihrer äußeren Form] im Gesang und/oder Geschrei der oftmals extrem (selbst-) -reflexiven- Lyrics prädestiniert, um sich in ihr wieder zu finden (und auf kontemplative Art zu verlieren).

Und genau das setzt eigentlich ein, was Emo aus musikalischer Perspektive – für mich- ist. Gepaart mit einem musikalischen Kosmos den diese Musik umgibt und bildet in dem man sich bewegt.

Die „Definitionen“ die man liest, die vielleicht maximal den Ursprung markieren [der Faustkeil hat für uns Menschen in der Historie eine enorme Bedeutung, aber deswegen spielt er dennoch in unserer Realität keine Rolle], aber nicht mehr. So sind Aussagen auf die Frage „Was ist Emo? wie die, dass Emo dem Emotional Hardcore entspringt und erste Bands bspw. Texas Is The Reason, The Get Up Kids, Jimmy Eat World waren, keine Relanz für das was Emo -eigentlich- ist. Es markiert eher eines dieser Bruchstücke, die wir nicht in Verbindung mit dem eigentlichen Begriff und dessen Bedeutung bringen können.

Ich beanspruche auch nicht das eigentliche Wissen darüber was Emo ist, aber habe Emo vielleicht nicht so sehr aus den Augen verloren, dass ich ich mich (und hoffentlich auch andere noch) vielleicht noch am ehesten daran erinnern kann, was Emo mal bedeutet haben mag. Zumindest begebe ich mich auf dieser Seite auf der Suche danach…

Auf dieser Seite geht es U.a. um
– das Sammeln dessen, was am ehesten vielleicht Emo war bzw. noch ist oder sein kann:
– das Vorstellen, Empfehlen von Songs, EPs, Alben von Bands, die heute kaum mehr jmd. kennt, aber die gleiche oder noch mehr Berechtigung haben gekannt und gehört (und auf Partys gefordert?) zu werden; in einem allgemeinen Kompendium (einer Sammlung) dieser Bands bzw. deren Songs
– Referenzen, Hintergründe zu Songs, EPs, Alben, Merch etc. von diesen Bands und darüber hinaus (Existentialismus, Philosophie. Psychologie)
– Auseinandersetzung mit den EPs, Alben Song- Lyrics – dieser Bands – Auseinandersetzung mit dem was von Emo im weitesten Sinne noch auf Partys geblieben ist (Playlisten, Empfehlungen, Kritik)
– einem Kompendium von ((subjektiv) bedeutenden) Songs für eine potenzielle eigene Party (wie damals bei Full Collapse: This Crying, This Screaming, My Voice Is Being Born), bei dem man sich selbst einbringen kann (soll!), um diese zur eigenen Party machen kann, sollte diese jemals stattfinden..
– Erläuterung des Konzepts dieser Party – Relikte aus der Hochphase
– und mehr..

[to be continued]